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Des Vaters Vermächtnis


Die Nachricht von der Hochzeitsfeier
schlug bei uns ein wie ein Komet,
dass Eure Ehelosigkeit noch heuer
nun wie ein Spuk zu Ende geht.

An der Gerüchteküche herrschte Hausse,
wild hatte man da spekuliert,
ob das Ganze nur `ne Posse,
sich kaum eigne für `ne Glosse
oder ob es wohl fundiert
und warum es so pressiert? -

Manche waren sich da sicher,
dass Ihr Euch hättet was bestellt.
Eure Antwort war Gekicher:
Was soll der Quatsch in aller Welt?

Schließlich teilt Ihr sieben Jahre
auch ohne Trauschein Tisch und Bett.
Doch vor dem Standesamt und dem Altare
bekam's erst Legitimität!

Wer wen zur Eile angetrieben,
damit die Ehe sei perfekt,
bleibt uns ein Buch mit sieben Siegeln,
wer diesen Plan wohl ausgeheckt

Hat es Otto plötzlich eilig,
weil ihm ein teures Fell wegschwimmt?
Ist ihm die Ehe wieder heilig,
weil`s jetzt beruflich bei ihr stimmt?

Denkt er an halbe Arbeitstage,
etwa schon an den Ruhestand?
Otto, Du hast noch siebzehn Jahre-
mit fünfundsechzig siehst Du Land!

Oder war`s Sabines Masche,
auszuspiel`n den letzten TRUMP? (Sabines Mädchenzuname)
Mit dem Lehrer in der Tasche,
denn sie mag`s nicht gern auf Pump!

Doch Otto würd` darauf nicht schielen,
schließlich ist er doch kein Lump.
Wer wird schon mit der Liebe spielen,
auch wär der Trick etwas zu plump.

Er liebt geteilte Kaufverträge,
kauft Pferd und Auto nie allein!
Ob`s nur bei Pferd und Auto bliebe,
kann man bei ihm nicht sicher sein.

Sein verschmitztes Schnauzbartlächeln
bringt Sabine oft zur Weißglut,
denn Sabine ist `ne Stierfrau -
und ein ganz besondres Heißblut!

Er ist für sie das rote Tuch -
doch sie für ihn ein off`nes Buch.
Denn unterm gleichen Stern geboren,
hat er`s gleich faustdick hintern Ohren!
Weiß ihr Verhalten einzuschätzen,
statt auf der Flucht mit langen Sätzen,
schwengt er als der TorerOTTO
das rote Tuch nach dem Motto:
Wenn sie anstürmt
und stampft mit Schnaufen,
lass ich sie ins Leere laufen

Das verschmitzte Schnauzbartlächeln
habt Ihr noch alle im Gedächtnis,
doch das Etappenbasstonlachen
ist vom Vater ein Vermächtnis.

© Karl-Heinz Will
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