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Verplanter Pensionär


Gerade als Pensionär gekürt,
er ungeheure Freiheit spürt.
Doch schon vernimmt er mit Grauen und Entsetzen:
Man müsse sich mit ihm ins Benehmen setzen.-
So soll er beruflich noch nicht enden!
Er sei bestimmt noch zu verwenden.

Ein Bürger von der Homberger Burgberggemeinde,
der es ganz besonders gut mit mir meinte:
Ich könnte doch, statt als Rentner dahinzudümpeln,
helfen, den Schlossbergbrunnen zu entrümpeln.
Als ehemaliger Bergmann und Schacht erfahren
bliebe ich doch noch fit in meinen alten Tagen.

Und die Vorsitzende vom Kulturverein,
Beutelhoffs Christine,
meinte mit sorgenvoller Miene,
ich solle das bitte nicht falsch verstehen,
aber ich könne doch als Pensionär
noch keine Däumchen drehen.
Dagegen bei Botengängen für sie
durch die Stadt zu flanieren,
in der Stadthalle Stühle aufstellen
und Prospekte kuvertieren,
ehrenamtlich, versteht sich,
wie meine Frau an der Kasse,
wäre das kein Job für mich,
der zu mir passe?

Sogar der Rechtspfleger beim Amtsgericht
ist auf Pensionäre sehr erpicht,
denn als Vormund von einem Mündel
sei ich bestimmt noch nicht ausgelastet.
Bei diesem Vorschlag wäre ich fast ausgerastet.

Bei den Mardörfer Klingelbachspatzen,
ein Kinderchor, den ich leite,
soll ich mich noch mehr einkratzen,
das mach ich gern, das macht mir Freude.

Der Homberger Schachclub ist in Nöten,
der Jugend ginge das Training flöten,
ob ich mir dies noch weiter aufbürde?
Doch wäre ein Ausstieg total ohne Würde.

Und sogar Leute vom Extratipp meinten,
ich wäre für sie der richtige Typ.
Bei Kontrollfahrten in die Stadtteile,
denn Stichproben bräuchten keine Eile.
wäre doch 'ne gemütliche Sache,
bei der ich mich nicht so kaputt mache.

© Karl-Heinz Will
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