HomeKurzvitaRepertoireGedichteGeschichtenImpressum

Interview mit Wellensittich Hansi anlässlich Hübners Silberner Hochzeit


Beim Recherchieren gab's schon die ersten Probleme,
was so passiert war hier in der Szene...
Denn Monika und Horst gaben sich bedeckt. -
Man soll nicht erfahren, was all in den Jahren
an Skandal und Skandälchen sie ausgeheckt..

Ob ich bei Hübners Wanzen einbaue,
mir einige Interna klaue?
Denn die Informationen sollen sich doch lohnen!
Ob sich ihr Telefon anzapfen ließ? -
Zugegeben, die Mittel sind mies.
Auch wäre ein Lauschangriff ungesetzlich -
und das Postgeheimnis unverletzlich!

So war ich gerade am überlegen,
da tat sich neben mir etwas bewegen..-
"Ach Hansi, der blaue Wellensittich, in seinem Vogelbauer!"
Ich betrachtete ihn jetzt etwas genauer...-
Ob er meine Gedanken lesen kann?
Ich war überrascht, denn eh ich mich besann,
fing er nach anfänglichen Zögern und Zaudern
plötzlich aus dem Nähkästchen zu plaudern!
Ich räusperte mich, musste vor Verlegenheit husten.
Da fragte er mich: "Du Karl-Heinz, ich darf Dich doch duzen?"

"Klar Hansi, was haste auf dem Herzen? Dann schieß mal los!"
Er würgte, als hätte er im Kropf einen Kloß:
"Ach, was war das ein Idyll, als die Familie noch komplett,
da war noch Leben in der Bude, und alle waren zu mir so nett. -
Foxy Ratscha ist vor einem Jahr gestorben,
im Garten, hinterm Haus, da liegt sein Grab.
'Nen schwarzen Anzug musste ich mir erst besorgen,
weil ich ihn so lieb gewonnen hab.
-Ja als Ratscha noch lebte, was waren das für Zeiten!
Doch war er der Beliebtere von uns beiden.
Von allen gehätschelt und Gassi geführt,
nach mir hat sich seltener eine Hand gerührt. -
Er war zwar wild, aber ein guter Geselle,
und zur Gesellschaft war er immer zur Stelle.
Doch hatte ich gegen sein Bellen mit meinem
Zwitschern eigentlich nur wenig zu bestellen.
Alinas Schildkröten dagegen schweigen und schweigen.
Wollen die mir so ihre Abneigung zeigen?
Wie mögen die bloß ihr Leben gestalten?
Mit denen kann man sich ja nicht mal vernünftig unterhalten!

Womit wird eigentlich beim Thema wären.
Ich will mich ja auch gar nicht beschweren,
werde von Frauchen gepflegt und gefüttert.
Doch trotzdem bin ich ein wenig verbittert!
Denn seit die Kinder ausgezogen zum Studieren,
darüber will ich ja keine Worte verlieren,
aber dass Herrchen und Frauchen unnötigerweise
sich oft befinden auf irgendeiner Reise -
und mich dann immer alleine lassen,
kann einmein Wellensittichverstand
überhaupt nicht fassen!
Mal fliegen sie nach Texas in die USA,
mal zu den Kanaren Teneriffa.
Sie sind mit dem Fahrrad, mit dem Skiclub unterwegs¦
Weißt Du, mit geht das allmählich auf den Keks!
Ich halte die Stellung und bewache das Haus,
sonst gingen die Diebe hier ein und aus!
Das Essen auf Rädern lass ich mir von Frau Kunold bringen.
Ich danke ihr mit Zwitschern und
mit 'nem Salto Mortale an den Ringen..
Doch sind Herrchen und Frauchen von der Reise zurück,
hab ich in ihrer Gesellschaft noch lange kein Glück.

Sie müssten da irgendwo noch repräsentieren,
bei den Rotariern, wie sie es formulieren. -
Na ja, wen wirft's vom Hocker,
wenn sie da Scheine ziehen ganz locker,
um für 'ne gute Sache zu spendieren.
Was hilft's , ich muss es akzeptieren.!

Womit die beiden mein Futter verdienen,
will ich noch erwähnen:
Ich halt's nicht mehr aus, mir kommen die Tränen!
Herrchen macht in Kunststoff Bakelit,
Frauchen hält sich in der Werbung fit.

Und damit die beiden sich nicht auf den Wecker fallen,
gehen sie noch getrennt aus, ich zeig ihnen die Krallen!
Denn schon bin ich wieder allein, nie machen sie Pause,
sind ständig unterwegs auf irgendeiner Sause...-
Sie spielt in Damenrunden Tennis und Kanaster,
doch nicht umsonst, das kostet doch Zaster!
Dann muss sie zur Gymnastik und zum Jazztanzen,
das möchte ich sehen, ich lach mir 'nen Ranzen!
Denn ohne Bewegung müsste man schnüren und liften,
sonst würde die Figur langsam auseinander driften!
Selbst beim Lemmy-Stoffe-Wühlen
müsse sie ihr Mütchen kühlen!

Und Herrchen kommt mit dem Argument,
er müsse zur Liedertafel - sapperment!
Doch beim Herrengeschwafel, das ist der Gag,
drischt man Skat, das war der Zweck!
Bei Tabakqualm und Alkohol fühlt er sich so richtig wohl.
Doch kommt er heim, ich hör ihn lallen...
Am liebsten würde ich ihn krallen!

Ja Karl-Heinz, von meinen Klagen bist Du nicht sehr entzückt.
Doch weißt nun genau, wo eigentlich der Schuh mir drückt.-
Wie wär's könntest Du für mich ein Wort einlegen
bei Herrchen und Frauchen, denn bis die sich mal regen,
mir eine Artgenossin an die Seite zu stellen?
Denn ich kann nur zwitschern, nicht einmal bellen,
um meinen Unmut loszuwerden.
Ach ich das ein Leben hier auf Erden!

Ich bin so allein in meinem Vogelbauer!
Weißt Du, Karl-Heinz, ich bin stinkesauer!
Denen ist es doch egal, wie einsam ich mich fühle.-
Mensch, sag mal, haben die denn keine Gefühle?
Stattdessen hängen die mir so einen doofen Spiegel hin.
Da können sie lange warten, bis ich auf den reingefallen bin.
Soll ich's etwa mit dem treiben?
Nee, nee, das lass ich lieber bleiben!
Ich bin doch kein gefiederter Affe,
dass ich mich noch in den vergaffe!

Ja, Karl-Heinz, ich glaube, ich habe ein bisschen übertrieben.
Sie sind auch mal zu Hause, meine Lieben!
Doch dann ist es meistens schon sehr spät,
und die beiden müssen dann ins Bett...-
Na ja, sei's drum, ich seh's ja ein,
das muss ja schließlich auch mal sein!

© Karl-Heinz Will
Impressum