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Zwei Künstler vom Stückhof



Ewald Rumpf residiert auf dem Stückhof, man wird von der Kunst erschlagen, sobald man Ewalds Straße zum Stückhof erreicht. Ewald, als junger Prof., kam wie Jesus barfüßig und langhaarig nach Homberg, kniete vor Frauen und betete sie an, als habe er ihnen etwas zu beichten. Auf dem Stückhof, ein Refugium der Kunst, der Muse, Mystik, Kartenspiele wie Tarock, Malen, der Engländer, Handel Evans, Bildhauerei, E. ist heute ständig unterwegs, um Kunstinteressierte für seine Figuren, Plastiken, aus Ton gebrannte Figuren zu interessieren. Homberg hat schon zwei seiner Werke auf dem Marktplatz verewigt. 'Brüderchen und Schwesterchen' am Brunnen und den 'Landgrafen Phillip den Großmütigen'. Er gibt sich ein Stell-Dich-Ein an fürstlichen oder mythischen Orten z.B. im Wildunger Fürstenpalast oder im Tempelchen am Weinberg in Kassel.

Frühstückstreffen morgens um 07.00 Uhr mit Harfenspiel, Klavier- und Geigenbegleitung, lässt Betrachtungen vortragen, zum Beispiel von Ulrich Holbein. E. ist sehr geräuschempfindsam, wenn er z.B. jemand modelliert, stört ihn das Klavierspielen von Kunstbanausen, aber von der einer Künstlerin auf der Konzertharfe begleitet, mag er es schon mal ertragen, als Geigenspieler bevorzugt er vor allem Bach, Haydn, wobei er manchmal den Ton um ¼ seines Volumens verfehlt.

Von 'Stückhof' ist man versucht, auf 'Stückwerk' zu schließen. Gut, wenn man davon absieht, dass E. mit mehreren Frauen Kinder zeugte, um sie nicht übermäßig mit dem Gebären zu belasten. Seine 1. Frau hat zwei Jungen, schon zum Teil erwachsen, dann hat er mit der Belle Neige, wie er sie verehrungswürdig nannte, mit der er nicht verheiratet war, eine Tochter, und mit seiner jetzigen Frau Michaela einen Sohn, namens Gabriel, auf Grund der Namensgebung geht hervor, dass E. tiefreligiös und bibelfest ist. Bei seinen Bildbetrachtungen und interpretierenden Ausführungen scheint er mehr dem Transzendentalen verpflichtet. Wie Jesus über den Wolken schwebend, gibt es gelegentlich auch mal Berührungspunkte mit dem irdischen Dasein. Ein Platz nach seinem Tode bei dem Herrn ist ihm zu Erdzeiten schon sicher. Zu oft hat er sich und das Göttliche schon in seinen Plastiken verewigt. Auf dem Stückhof (Mekka der Kunst) haben sich schon viele Leute getroffen, in Kursen, Dichterlesungen, das Haus des Stückhofes wurde so belassen, wie E. es vor etwa 30 Jahren kaufte. Ständiger Gast ist Otto Pirn gewesen, der auch auf diesem Grundstück seine 2. Frau Sabine kennen lernte. Im Homberger Kunst- oder Dunstkreis hat E. einen festen Platz. Dort modelliert er immer auf dem Künstlertreff eine Büste von einem mehr oder weniger bedeutsamen Besucher dieser Ausstellung. Ob ihn der Name "Rumpf" verpflichtend auf die Idee gebracht hat, sich mal in der Bildhauerei zu versuchen? An allen Gliedern....Auch der Künstler und Literat Holbein ist des Öfteren hier zu Gast. Wenn sein Name mit "h" wie "hohl" geschrieben würde, könnte man auf hohlen Knochen schließen. Namensbetrachtung: Alter deutscher Vorname, jedoch nicht bibelfest. Uodalrich zu uodal "Erbgut, Heimat" und rihi "mächtig, reich, viel besitzend". Rumpf, Ho(h)lbein (hohler Knochen) oder Holbein als Imperativ "hol das Bein" Gevatter Tod gibt sich die Ehre!, gibt es noch andere Glieder? Viera, vermutlich abgeleitet von 'Vera' = lat. "Glaube". Wenn H. irgendwo eine Lesung von einigen seiner Kreationen hält, liest er leider so leise, selbst auf Aufforderung, lauter zu lesen, kann er manchen Zuhörer nicht befriedigen. Ob er absichtlich so leise liest, um die Zuhörer zu zwingen, sich selbst ruhig zu verhalten? Er wirkt dabei etwas kurzatmig. Viera muss ihn manchmal regelrecht in den Hintern treten, damit er überhaupt mit dem Vortrag beginnt (so in einem Pfarrhaus in Oberurf). Witzig sind seine Betrachtungen von Gegenständen, seine skurrilen Betrachtungen bzw. Charakterisierungen von nahe stehenden Bekannten oder Freunden. Seine Schilderungen, besonders jene aus Asien sind besonders hörenswert. Er hat auch mal beim Vorlesewettbewerb in Klagenfurt den 3. Preis gewonnen mit der Geschichte "Universum ich" oder so. Outfit, bemalter Koffer, fährt selbst kein Auto, hinterlässt den Eindruck, im Alltagsleben in praktischen handwerklichen Dingen ein wenig weltfremd zu sein. (Beispiel vor dem Pirnschen Haus, als Sabines Auto mal 'ne Panne hatte und abgeschleppt werden musste, stolzierte besagter U. die Straße auf und ab, während sich Viera bemühte, auf dem Bauch liegend, das Abschleppseil bei schlechten Wetterbedingungen an Sabines Wagen anzubringen. Wenn man ihn früher mal irgendwo traf, fing er sofort ein Gespräch mit seinem Gegenüber an: Hast Du mein neustes Buch gelesen? Er wartete immer darauf, auf seine neuen Kreationen angesprochen zu werden, als gäbe es außer ihm keine anderen Wichtigkeiten zu berichten. Er scheint manchmal in einem Elfenbeinturm zu wohnen und nicht mitzukriegen, dass es noch andere Menschen mit ihren Problemen gibt. Sein Outfit: Lange Haare mit einem spärlich langen Bart. Sein brauner Koffer, den er ständig bei sich führt, ist mit eigenen malerischen Kreationen versehen. Er scheint schon ziemlich alt, weil verschlissen, zu sein. Manchmal klagt er über seinen Verlag, der ihm ein wenig Beine machen will, damit er mal wieder was schreibe. Er scheint vertraglich an den Verlag gebunden, der von ihm bestimmte Leistungen verlangt. An den Türen und Wänden im Stückhof hat er sich mit seinen Malereien verewigt. Wenn Ewald Jesus wäre, so wäre U. sein Jünger. Vielleicht hat U. sich heute etwas durch seine Schriftstellerei unabhängig gemacht. Und es besteht die Frage, ob U. heute nicht schon der bekanntere Künstler in Deutschland ist, der schon etliche Bücher herausgebracht und Artikel in der "Zeit" und in der "Frankfurter Rundschau" u. a. geschrieben hat. Besonders interessant sind seine frühen Schilderungen aus Indien.

Karl-Heinz Will
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