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Freud und die Folgen



Wie im frühen Mittelalter man nicht wagte, Kritik an weltlichen und kirchlichen Oberhäuptern oder sonstigen Autoritäten zu äußern und man sich der Fabeln bediente, um in ihnen Tiere auftreten und sprechen zu lassen, die kritisch zu politischen Verhältnissen Stellung nahmen, so war es auch damals noch verpönt, die Tiefenpsychologie zur Anwendung zu bringen. Aber trickreich, wie deren geistige Urväter waren, ließen sie hier und da vorausschauend einige Sprengsel in das deutsche Liedgut einfließen. Zum Beispiel "Geh aus mein Herz und suche Freud!" oder "Die güldne Sonne voll Freud und Wonne" oder "Freut Euch des Lebens!" So war es kein Wunder, dass eines Tages wie Jesus von Nazareth Sigmund das Licht der Welt erblicken und menschliche Gestalt annehmen musste, womit der Siegeszug der Tiefenpsychologie nicht mehr aufzuhalten war. Beethoven ließ in seiner 9. Symphonie Sigmund sogar allegorisch auftreten: "Freud (e) du schöner Götterfunken, Sohn aus dem Elysium!"

Karl-Heinz Will
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